BERICHT VON SIGRID THIEME-RUFFING

DAS WIR-GEFÜHL STÄRKEN

Die Händehygiene-Compliance durch alle Berufsgruppen hinweg erhöhen – davon profitieren nicht nur die Patienten und Kliniken gleichermaßen. Sigrid Thieme-Ruffing, Hygiene und QM-Beauftragte des Universitätsklinikums des Saarlandes erklärt, welche Rolle die Förderung des Wir-Gefühls dabei spielt.

Frau Sigrid Thieme Ruffing, Hygiene und QM-Beauftragte des Universitätsklinikums des Saarlandes, Deutschland
Neben Pflege und Behandlung ist die Verhinderung von Infektionen wichtigstes Ziel für die Versorgung der Patienten im Krankenhaus. Nicht alle Infektionen lassen sich vermeiden - doch diejenigen, die vermeidbar sind, brauchen unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit und unser ganzes Engagement. Und zwar von uns allen ohne Unterschied. Denn jeder Patient ist Patient von jedem einzelnen Mitarbeiter.
Dies ist auch unsere Herangehensweise an die Hygiene und den Infektionsschutz in unserer Klinik. Was so selbstverständlich klingt, ist im Alltag gar nicht so einfach: Gerade bei der Händehygiene - die zweifellos wichtigste Maßnahme zur Infektionsprävention. Nicht jede Berufsgruppe fühlt sich beispielsweise gleichermaßen angesprochen von dem Thema, steht doch täglich eine Unzahl an weiteren Herausforderungen für das Patientenwohl auf dem Plan.

HÄNDEHYGIENE OHNE HIERARCHIEN

Mit unserer Initiative zur Förderung der Händehygiene haben wir genau diese Problematik in den Fokus gestellt: Alle Mitarbeiter mit Patientenkontakt zu schulen – unabhängig von Hierarchien, denn ob Ärzte oder Pflegekräfte, Chefarzt oder Pflegeschülerin: Zum Schutz des Patienten müssen alle dieselben Handlungsanweisungen zur Händehygiene befolgen.
Thieme Ruffing
Erreicht haben wir dieses Ziel nicht mit moralischen Appellen, sondern mit positiver Verstärkung des Verantwortungsgefühls aller Berufsgruppen und einer hohen organisatorischen Flexibilität unseres Schulungsteams. Unsere Mitarbeiter müssen für Schulungen nicht zu uns kommen - wir gehen zu ihnen. Die richtige Händehygiene lernen Pflegekräfte, Ärzte und Chefärzte des Universitätsklinikums des Saarlandes nicht im Hörsaal, sondern direkt in ihren jeweiligen Arbeitsbereichen und in ihren Teams. Das kann der Sozialraum im OP Bereich, der Aufenthaltsraum einer Station oder die Küche sein. Zu unserem „Wir“- Konzept gehören auch flexible Schulungszeiten, um die Mitarbeiter dort und in dem Moment abzuholen, in dem sie bereit sind, sich mit dem Thema Händehygiene zu beschäftigen. Schulungen um 7 Uhr morgens in der Chirurgie gehören hier ebenso dazu wie ein 20 Uhr Termin bei unseren Studenten.

BESSERE COMPLIANCE IN ALLEN BERUFSGRUPPEN

Soviel Einsatz lohnt sich - für alle. Wir haben nicht nur durch alle Berufsgruppen hinweg die Compliance erhöht. Es ist uns auch gelungen, das Wir-Gefühl zu stärken. Das zeigt: von der richtigen Händehygiene profitiert nicht nur der Patient, sondern die ganze Klinik.

Auf Erfolgen soll man sich nicht ausruhen. Eine weitere Herausforderung für die Zukunft ist die Nachhaltigkeit der Händehygiene über Schulungen hinaus - daran arbeiten wir.
Sigrid Thieme-Ruffing
Hygiene- und QM-Beauftragte des Universitätsklinikums des Saarlandes, Deutschland
„Das Verantwortungsgefühl positiv verstärken.“