VORBILD DER HÄNDEDESINFEKTION IM INTERVIEW - CHRISTIAN PUX

„HYGIENE MIT HUMOR ANGEHEN“

Christian Pux mag sich nicht selbst loben. Das ist nicht seine Sache. Doch mit seiner positiven Einstellung hat die leitende Hygienefachkraft der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz* viel erreicht. Die Händehygiene in Langzeitpflegeeinrichtungen der österreichischen Steiermark ist besser geworden. Christian Pux ist ein Vorbild der Händehygiene.

Was hat Hygiene mit Humor zu tun? Nehmen Sie das Thema nicht ernst?

Doch, natürlich. Aber in der Hygiene wird oft das in den Fokus gestellt, was nicht funktioniert. Und das, was sehr gut funktioniert, wird als selbstverständlich angenommen. Mir persönlich ist es aber wichtig, von der Defizitorientierung in der Hygiene wegzukommen. Ich versuche, das ein bisschen umzukehren und immer auch das Positive herauszustreichen. Es wird sehr gut angenommen, wenn wir die Hygiene mit Humor angehen.
Ihre Einrichtung ist ein Pionier in Sachen Händehygiene. Sie gehört zu den ersten Teilnehmern der Kampagne „AKTION Saubere Hände“ in der Steiermark. Wie kam es dazu?

Das war im Jahr 2011 während meiner Ausbildung zur Hygienefachkraft. In der Zeit habe ich die Basisdaten bei uns im Haus evaluiert und erkannt, dass wir noch besser werden können. Und genau während meiner Ausbildung startete der Gesundheitsfonds Steiermark die Umsetzung der Kampagne „AKTION Saubere Hände“ in der Steiermark. Die gab es vorher nur in Deutschland, nicht aber in Österreich. Wir haben in den Geriatrischen Gesundheitszentren die Chance für eine bessere Händehygiene ergriffen und uns gleich im November 2011 angemeldet.
Unser Modern Day Hero der Händehygiene: Christian Pux
Was ist Ihr Rezept, um die Händehygiene-Compliance in Ihrer Einrichtung zu steigern?

Unser Hygieneteam setzt ganz besonders auf praktische Fortbildungen. Dabei scheuen wir auch keinen Aufwand. Wir führen z. B. direkt am Bett in der Kleingruppe Schulungen zur Händehygiene bei der Ganzkörperwaschung durch. Nach dem Bedside teaching setzen wir regelmäßig eine Feedback-Runde an. Das Hygieneteam bespricht dann mit den Teilnehmern, in welchen Momenten eine Händedesinfektion notwendig, aber auch in welchen Situationen sie überflüssig ist. Darüber hinaus gibt es natürlich noch etliche weitere Maßnahmen, wie z. B. Aktionstage für die Patienten, Bewohner und Besucher etc.
Zusätzlich führen Sie auch umfangreiche Compliance-Beobachtungen durch. Warum?

Wir beobachten gezielt bestimmte Tätigkeiten von Berufsgruppen. Das ist zwar sehr arbeitsintensiv, aber damit können wir sehr gut mögliche Verbesserungspotenziale feststellen und die Mitarbeiter noch effizienter schulen. So messen wir zum Beispiel die Compliance bei der Berufsgruppe Pflegekraft für die Tätigkeit Ganzkörperwaschung oder bei der Berufsgruppe Ärzte für die Tätigkeit Venenpunktion. Unsere Schulungen passen wir dann entsprechend unseren Beobachtungsergebnissen an.
CHRISTIAN PUX - GERIATRISCHE GESUNDHEITSZENTREN GRAZ
„HYGIENE MIT HUMOR ANGEHEN“
Wie hat sich denn die Compliance seit dem Start der Kampagne in Ihrer Einrichtung verändert?

Wir haben eine ganz tolle Entwicklung erlebt. Das Bewusstsein um die Bedeutung der Händehygiene hat sich deutlich verbessert. Das zeigt sich vor allem daran, wie gut die Fortbildungen, Aktionstage usw. angenommen werden. Auch die Zahlen zum Verbrauch von Händedesinfektionsmitteln bestätigen das. So ist der Verbrauch in einem der Häuser sogar um 120% gestiegen. Unser Leitsatz in den Geriatrischen Gesundheitszentren lautet: „Bei uns sind Menschen in besten Händen“. Und unser Hygieneteam ergänzt das um „Bei uns sind Menschen in besten und desinfizierten Händen“.
Christian Pux in Aktion
Sie engagieren sich darüber hinaus sogar in einem Gremium der Steiermark für mehr Händehygiene-Compliance.

Ja, das stimmt. Als Mitglied der Arbeitsgruppe „Händehygiene“ des Gesundheitsfonds Steiermark bin ich Ansprechpartner für Mitarbeiter aus Langzeitpflegeeinrichtungen. Wir möchten Pflegekräfte zu einer besseren Händehygiene motivieren und bei der Umsetzung von entsprechenden Maßnahmen unterstützen. Deswegen haben wir einen Informationstag zur „AKTION Saubere Hände“ veranstaltet. Dort haben insgesamt über 70 Mitarbeiter aus Pflegeeinrichtungen teilgenommen. Über das große Interesse haben wir uns natürlich gefreut.

Welches Erlebnis hat Sie bei Ihrer Arbeit besonders berührt?

Ganz toll fand ich, als eine Patientin bei einer unserer Aktionen mitgemacht hat. Wir haben im Eingangsbereich Besucher über Händehygiene informiert. Und die Patientin hat sich einfach dazu gestellt und uns unterstützt. Sie hat die Besucher angesprochen und ihnen erklärt, dass sie viel seltener krank ist, seitdem sie sich regelmäßig die Hände desinfiziert.
Das Hygieneteam der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz
Marion Pongratz, ebenfalls Hygienefachkraft, hat Ihren Kollegen Christian Pux als Modern Day Hero nominiert.

Was inspiriert Sie am meisten an Ihrem Kollegen?


Christian Pux setzt sich unglaublich engagiert für die Händehygiene ein. Er hat nicht nur hier bei uns im Haus Pionierarbeit geleistet, sondern unterstützt darüber hinaus auch noch Mitarbeiter anderer Langzeitpflegeeinrichtungen in der Steiermark. Er leistet Überzeugungsarbeit, weil er selbst überzeugt ist. Besonders inspirierend finde ich, wie es ihm gelingt, andere zu motivieren. Dabei ist er immer positiv und hat für alle ein offenes Ohr.

Welche Bedeutung haben Vorbilder?

Gute Vorbilder sind das Allerwichtigste in der Händehygiene. Entscheidend ist, dass man selbst es aber auch vorlebt. So tragen z. B. mein Kollege und ich weder Schmuck noch Uhren bei der Arbeit. Damit versuchen wir auch in dieser Richtung Vorbilder zu sein.


Christian Pux arbeitet als leitende Hygienefachkraft in den Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz.

Die Einrichtung besteht aus der Albert Schweitzer Klinik und 4 Pflegewohnheimen. Die Geriatrischen Gesundheitszentren gewannen 2014 den österreichischen Staatspreis für Unternehmensqualität, welcher auf Basis des EFQM-Modells verliehen wird.

Für Fragen und Anregungen:

Christian Pux
Hygienefachkraft/akademischer Experte in der Krankenhaushygiene
E-mail: christian.pux@stadt.graz.at
Web: http://www.ggz.graz.at/
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GESUCHT: MODERNE HELDEN DER HÄNDEDESINFEKTION

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